Diese eine Frage begleitet mich jetzt schon praktisch seit meiner letzten Reise, wobei ich es ja auch schon in der letzten Revision von „04 Auf Reisen Gefunden“ angekündigt hatte: Mittlerweile hatte ich das große Glück einige Erfahrungen im Reisen sammeln zu können. Viele der nahen kleinen Ziele sind bereits erlebt und ein wenig sehne ich mich wieder nach einem längeren Abenteuer, gar einer Expedition. Und mit dem bis hier erlebten begleitet mich umso mehr auf welche Art ich diese Zeit erleben möchte.
Irgendwie soll es immer etwas Neues sein. Aber ganz tief in mir drin vermisse ich das Gefühl der Ungebundenheit, die Möglichkeit unterwegs für sich selber zu entdecken.
Was es denn werden soll
Dazu gesellt sich mein Wunsch hierbei meine Hobbys weiter auszubauen. In einem davon, der Fotografie, fasse ich gerade und Fuß. Und auch wenn ich noch sehr weit von so etwas wie Professionalität entfernt bin, möchte ich die Kunst der Berichterstattung und Erzählung ausbauen. Ich kann mir sogar vorstellen, hier eines Tages damit in den bewegten Bildern Fuß zu fassen, aber das sind noch ganz entfernte Ideen
In einer anderen Gedankensphäre möchte ich direkt vor Ort sein. Im Herzen des Geschehens, der Altstädte. Darf aber auch nicht Expeditionsartigen Reisen in entlegene Regionen außer Acht lassen, für die ich schon mehrere Ideen habe. Flexible soll es sein, möglichst all die kleinen Gelegenheiten ergreifen zu können.
Warum ich zögere
Eigentlich genau jetzt durch die Klänge von „Alles was hab“ mental inspiriert sofort loszulegen, zögere ich zugleich. Was mich beschäftigt, sind die aktuellen Schwierigkeiten auf den typischen Dingen, die ich jetzt unternehmen könnte. Richtig Lust hätte ich einmal mehr ein längeres Abenteuer zu unternehmen oder eine Art Expedition zu verschiedenen Themen zu unternehmen, die ich bereits über die letzten Jahre gesammelt habe. Auch könnte ich mir eine weitere Pilgerreise oder eine Art Studienfahrten könnte ich mir sehr gut vorstellen.
Aber einmal ganz von dem Zeitbedarf und Kosten abgesehen, haben sich viele Arten zu Reisen in den letzten Jahren stark verändert. Typische Ziele für kleine und große Reisen und beliebte Arten zu Reisen sind mittlerweile sehr stark kommerzialisiert und mitunter auch überlaufen. Hinzu kommt der allgemeine Wunsch, auf Reisen auf wenig bis nichts verzichten zu wollen, sodass die mitgeführten Sachen und Fahrzeuge immer größer werden. Damit steigen nicht nur die Kosten für Reisen mit nahezu allen Verkehrsträgern, sondern es muss auch vermerkt im Voraus gebucht werden. Spontanität im Transit wird damit praktisch unmöglich.
Wenn ich an meinen Camino Frances zurückdenke, hatte ich immer Angst vor dem letzten Abschnitt, der deutlich touristisch geprägt war. Und mittlerweile habe ich mit den aktuellen Pilgerzahlen und Werbung für organisierte Touren immer stärker den Eindruck, dass diese Unannehmlichkeit mittlerweile ein großer Teil des Camino Frances betroffen ist.
Selbst ein klassischer Roadtrip wird mit der noch immer anhaltenden Beliebtheit vom Camping und Vanlife auch schwierig. Campingplätze sind schlicht voll und ein spontaner Aufenthalt ist eher eine reine Glücksache als Planung. Und auch wenn ich die Beliebtheit des Vanlife überaus nachvollziehen kann, haben deren negativen Auswirkungen an den beliebten Spots mittlerweile regelmäßig Abwehrreaktionen bei den Einheimischen und öffentlicher Verwaltung hervorgerufen. Sofern ich also nicht jede Nacht in einem Hotel übernachten möchte, werden die Möglichkeiten dünner.
Auch beliebte Arten zu reisen haben einen Zulauf durch Touristen erfahren, sodass der ursprüngliche Charakter der eigentlichen Erfahrung zu leiden beginnt. Bekannte Fährfahrten von und nach Island, zwischen Oslo und Kiel oder die Hurtigruten nähern sich immer weiter einer typischen Kreuzfahrt an, was ich nicht immer als etwas Gutes empfinde.
Warum ich gerne Reise
Ich persönlich sehe mich als einen ergebnisorientierten Menschen und kann einfach nicht nur das erleben, was andere vorab anbieten. Ich möchte selber Zeit mit Land und Leuten verbringen und hier auch spontan auf Möglichkeiten eingehen möchte. Das braucht Freiraum und wenn es auch bedeutet ab und zu einmal gar nicht zu machen, weil sich nichts ergeben hat, genieße ich auch gerne diese Momente.
Dabei ist mir persönlich wichtig, bei jeder Reise etwas Neues auszuprobieren. Die Art oder Ziel zu variieren bringt mir Freude am Entdecken und Ausprobieren.
Was kann ich mir vorstellen

Vanlife. Und wow, bin ich spät auf dieser Party. Folgt man den gängigen Bloggern, hat man in den vergangenen Jahren seit 2020 ganze Beziehungen entstehen und wieder zerfallen sehen. Jede Route und Sehenswürdigkeit scheint bereits angefahren und abgelichtet worden zu sein, sodass der große und immer weiter steigende Teil des Contents den Verschleiß und Reparaturen der Fahrzeuge einnehmen. Und während es zu Beginn wahrlich traumhaft erschien praktisch überall und an allen schönen Orten dieser Welt übernachten, an jedem Ort von Interesse nach Belieben erreichen und dort verweilen zu können. An- und Abreise entfallen, denn sie werden selbst zum Erlebnis. Vom Geländewagen bis zum Expeditionsmobil gibt es viele Möglichkeiten, diese Art des Reisens an die eigenen Vorstellungen und Reiseziele anzupassen.
Diesen Reisestil ist sicherlich auch nicht nur an diesen Fahrzeugtypen oder das angestrebte 3 Tage autarke Freistehen beschränkt. Vom Touringbike und Geländewagen mit Zelt, einem vollausgestatteten Expeditionsmobil oder einem klassischen Camper von Platz zu Platz. Das Spektrum ist so interessant wie vielfältig.
Aber mit der Masse der Leuten kamen auch die Probleme. Die Fernreisen bekannter Reiseberichter und Influencer ist nur ein Kaschieren des Hauptproblems, dass Europa platztechnisch einfach „voll“ ist. Und viele der begehrten Bergpanoramen und Strandaussichten sind mittlerweile zum übernachten gesperrt worden und nur noch für Tagesgäste zugänglich sind. Die Stimmung zum Freistehen ist gekippt, es sind vielerorts einfach zu viele, als das es ohne Einschränkungen handhabbar bleiben würde.
Ich habe auch schon Ideen für 2 mehr oder weniger Dokumentarexpeditionen, bei ich selber davon ausgehe mindestens die Hälfte der Zeit mit der Arbeit an den Berichten beschäftigen möchte. Während ich für meine Reise Richtung Süden durchaus mit dem Gedanken spiele einen Motorradführerschein zu machen, bietet sich das gelegentliche übernachten im Zelt oder Freien allein schon wegen dem hoffentlich warmen Klima an.
Im Gegensatz dazu suche ich mich bei Expedition bewusst allen Elementen der Polarnacht auszusetzen und sie bewusst in das Erlebte mit einzubauen. Auch wenn hier eine geschlossene Kabine eines Autos angebracht ist, sehe ich mich doch für alle kreativen Seasons in einer geheizten Unterkunft, um dort in aller Ruhe an meinem Projekt arbeiten zu können.

Ich hätte auch einmal wieder Lust, ein richtiges Abenteuer zu beginnen. Ohne Plan und ohne Route, nur mit einem wagen Ziel vor Augen, eine grobe Himmelsrichtung einschlagen und gut ist. Den Weg erst dann finden, wenn er benötigt wird. Einfach eine ungefähre Richtung einschlagen und überraschen lassen, wo man ankommt und wen man dort antrifft. In jüngerer Vergangenheit wurde es mir immer wichtiger, die Zeit unterwegs bewusst zu verbringen und des zurückgelegten Aufwandes bewusst am irgendwo anzukommen.
Für mich ist das Schönste am Wandern, wie ein unser allen ureigenen Rhythmen entspringt und einem unterwegs auch die nötige Zeit geben kann, einen Ort nach Belieben in seinen Dimensionen und steten Veränderungen zu erfahren. Bei kaum einer anderen Art des Reisens haben wir so sehr die Möglichkeit, so spontan und allgemeingültig einen anderen Weg einzuschlagen oder gar an einem Ort zu verweilen.
Es scheint aktuell schon fast wahnsinnig zu sein, die so knapp gewordene Zeit mit der langsamsten Art des Reisens zu verbringen und auf Wegen zu begeben, welche schon lange verweist sind und überholt zu sein scheinen. Sich darauf zu verlassen, schon irgendwie einen Ort zum Schlafen, etwas zu Essen und eine Toilette zur rechten Zeit zu finden. Und ja, die kann schnell eine ganz eigene Herausforderung für sich alleine werden, wenn man nicht gerade auf bekannten Wanderwegen mit guter Infrastruktur unterwegs ist. Aber mit etwas Spontanität und dem öffentlichen Nahverkehr kann man so gut wie jede Lücke bis zur nächst großen Siedlung überbrücken, ohne dafür stundenlange Umwege in Kauf nehmen zu müssen.
Nach besten Möglichkeiten würde ich hier auch meine Affinität zu Nachtzügen und Fähren einfließen lassen. Nicht um möglichst schneller ein Ziel zu erreichen, sondern für das Feeling. Wieder einmal in den geschäftigen Bahnhöfen eintauchen und dem gleitenden Horizont beobachten, um einfach nur wieder einmal die Atmosphäre schwelgen zu können.

Sicherlich ist schon das alleinige Entdecken von Orten nebst Sehenswürdigkeiten sowie dem Eintauchen in andere Kulturen und Leute allein schon Grund genug, eine Reise zu unternehmen. Aber wonach es mich diese Tage am meisten sehnt, ist es auch, dem Reisen an sich wieder auch eine persönliche Bedeutung zu geben. Ich wünsche mir so sehr, an einem Ort anzukommen und dort zu verweilen, dem Augenblick unsere Ehre zu gebühren.
Diese Tage fühle ich so sehr, die typischen Touristenhotspots ein wenig meiden zu wollen. Scheinen sich doch schon gut besucht von all jenen, die sie gerne besichtigen möchten. Es wirkt schnell überfüllt und unfreundlich. Auf beides kann ich aktuell verzichten.
Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass ich bei nächster Gelegenheit wieder eine Pilgerreise unternehmen möchte. Neben Orten aufzusuchen auch meiner Seele ein Ziel geben möchte. Aus Erfahrung weiß ich, dass solche Wege einen rufen und sich dort die Menschen sammeln, denen es ähnlich ergeht. Es sammeln sich dort jene Persönlichkeiten, die offen für Land und Leute sind. Es werden keine Unterschiede untereinander gesucht, sondern viele Gemeinsamkeiten gefunden.